Heute früh schüttet es aus Eimern. Wenn das so bleibt, wird
der Anbetungsraum wohl voll werden. Was soll man an einem solchen Tag auch
sonst machen als mit Jesus reden?
Auf dem Weg zum Frühstücksraum, der ja in einem anderen
Gebäude ist, begegne ich einem Herrn von den Gruppenexerzitien, dem ich
anbiete, mit unter meinen Schirm zu kommen. Wir quatschen – unerlaubterweise
natürlich, wie wir feststellen – auf den paar Metern ein wenig, und er scheint
recht angenehm und nicht völlig humorbefreit, was sein etwas steifer Anzug, den
er jeden Tag trägt, nahegelegt hatte. Hm, vielleicht wären Gruppenexerzitien
doch keine so schlechte Idee gewesen... Ihn schien diese Exotin in Jeans,
pinken Turnschuhen und pinkem Kapuzenpulli jedenfalls auch neugierig zu machen.
Morgens nehme ich mir wieder eineinviertel Stunde für stille
Anbetung. Und ich merke, dass die Stille langsam auch ins Innere sinkt. Die
Gedankenspiralen werden weniger, die Zeiten, in denen ich innerlich ruhig bin,
mehr ins Hören und Schauen als ins Reden komme, werden länger. Aber es bleibt
natürlich ein mühsames Geschäft. Die Langeweile, den Überdruss, die mangelnde
Konzentrationsfähigkeit, die Frage, was mach hier eigentlich auszuhalten und
einfach weiter da zu sein, sich hinzuhalten, strengt manchmal schon an.
Mittags gibt es Spargel mit Kartoffeln, was mich sehr freut,
weil das vegetarische Essen hier allgemein nicht sonderlich attraktiv und
lecker ist, wie ich bei früheren Aufenthalten schon erfahren habe. Auf dem Weg
zurück in unser Wohngebäude, biete ich meiner „Lieblings“-Mitexerzitantin Asyl
unter meinem Schirm an. Das lehnt sie jedoch ab und stapft entschlossen zwei
Meter vor mir durch den strömenden Regen. Was für eine harte Frau, denke ich
einmal mehr. Sie strahlt diese Härte auch in jeder Hinsicht aus. Wie mag sie so
geworden sein?
Das nachmittägliche Gespräch ist einmal mehr ganz nett und
unterhaltsam, inhaltlich nehme ich allerdings nicht allzu viel mit. Mag auch an
mir liegen, vielleicht ist das Thema, was mich umtreibt, zu unspezifisch, keine Ahnung. Immerhin hat
der Pater mir das Du angeboten und sich sehr über meinen Beichtwunsch gefreut.
Ich hatte ja erst nicht vor zu beichten, da ich gerade erst mit den Firmlingen
beichten war. Aber ich merke, dass in so einer Zeit der intensiven Betrachtung
doch einiges hochgespült wird, was ich gerne noch los würde. Die Firmbeichte
war eher ein Zeichen für die Mädchen, jetzt tue ich es vor allem für mich
selbst.
Nachmittags nehme ich mir dann noch mal eineinviertel Stunde
Zeit für stille Anbetung. Ich merke, dass die regelmäßige Übung schon viel
bewirkt hat und mir die Stunde recht kurz vorkommt. Es ist immer neues sich Einlassen auf die Gegenwart Christi, aber es macht mich auch immer wieder froh, ihn dort zu wissen. Ich empfinde das als großes Geschenk, ihm den ganzen Tag über in solcher Intensität begegnen zu können.
Die abendliche Eucharistiefeier geht dann ohne Panne ab,
sieht man davon ab, dass der Pater ein Lied auswählt, das niemand kennt, und
unser Versuch, vom Blatt zu singen, kläglich scheitert. Die zweite und dritte
Strophe sprechen wir dann nur noch.
Nach der Eucharistiefeier lese ich noch ein paar Seiten.
Lektüremäßig bin ich ja nun recht gut versorgt. Neben dem geschenkten Gebetbuch
hab ich noch ein Buch mit Texten von Madeleine Delbrêl und „Pure Präsenz“ von
Richard Rohr dabei. Delbrêl fasziniert mich ja wegen ihre Bodenständigkeit und
Alltagsspiritualität. Das ist wohl die einzige spirituelle Lebensform, die ich
mir vorstellen könnte. Und an Richard Rohr mag ich seinen Zugang zur Mystik.
Das Buch hab ich auch schon mal gelesen, wollte es aber schon länger gerne
selbst besitzen und finde auch beim zweiten Lesen viel kluge und wahre Dinge
darin.
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