Sonntag, 1. Juni 2014

Dienstag, 27.05.2014



Heute früh schüttet es aus Eimern. Wenn das so bleibt, wird der Anbetungsraum wohl voll werden. Was soll man an einem solchen Tag auch sonst machen als mit Jesus reden?

Auf dem Weg zum Frühstücksraum, der ja in einem anderen Gebäude ist, begegne ich einem Herrn von den Gruppenexerzitien, dem ich anbiete, mit unter meinen Schirm zu kommen. Wir quatschen – unerlaubterweise natürlich, wie wir feststellen – auf den paar Metern ein wenig, und er scheint recht angenehm und nicht völlig humorbefreit, was sein etwas steifer Anzug, den er jeden Tag trägt, nahegelegt hatte. Hm, vielleicht wären Gruppenexerzitien doch keine so schlechte Idee gewesen... Ihn schien diese Exotin in Jeans, pinken Turnschuhen und pinkem Kapuzenpulli jedenfalls auch neugierig zu machen.

Morgens nehme ich mir wieder eineinviertel Stunde für stille Anbetung. Und ich merke, dass die Stille langsam auch ins Innere sinkt. Die Gedankenspiralen werden weniger, die Zeiten, in denen ich innerlich ruhig bin, mehr ins Hören und Schauen als ins Reden komme, werden länger. Aber es bleibt natürlich ein mühsames Geschäft. Die Langeweile, den Überdruss, die mangelnde Konzentrationsfähigkeit, die Frage, was mach hier eigentlich auszuhalten und einfach weiter da zu sein, sich hinzuhalten, strengt manchmal schon an.

Mittags gibt es Spargel mit Kartoffeln, was mich sehr freut, weil das vegetarische Essen hier allgemein nicht sonderlich attraktiv und lecker ist, wie ich bei früheren Aufenthalten schon erfahren habe. Auf dem Weg zurück in unser Wohngebäude, biete ich meiner „Lieblings“-Mitexerzitantin Asyl unter meinem Schirm an. Das lehnt sie jedoch ab und stapft entschlossen zwei Meter vor mir durch den strömenden Regen. Was für eine harte Frau, denke ich einmal mehr. Sie strahlt diese Härte auch in jeder Hinsicht aus. Wie mag sie so geworden sein?

Das nachmittägliche Gespräch ist einmal mehr ganz nett und unterhaltsam, inhaltlich nehme ich allerdings nicht allzu viel mit. Mag auch an mir liegen, vielleicht ist das Thema, was mich umtreibt,  zu unspezifisch, keine Ahnung. Immerhin hat der Pater mir das Du angeboten und sich sehr über meinen Beichtwunsch gefreut. Ich hatte ja erst nicht vor zu beichten, da ich gerade erst mit den Firmlingen beichten war. Aber ich merke, dass in so einer Zeit der intensiven Betrachtung doch einiges hochgespült wird, was ich gerne noch los würde. Die Firmbeichte war eher ein Zeichen für die Mädchen, jetzt tue ich es vor allem für mich selbst.

Nachmittags nehme ich mir dann noch mal eineinviertel Stunde Zeit für stille Anbetung. Ich merke, dass die regelmäßige Übung schon viel bewirkt hat und mir die Stunde recht kurz vorkommt. Es ist immer neues sich Einlassen auf die Gegenwart Christi, aber es macht mich auch immer wieder froh, ihn dort zu wissen. Ich empfinde das als großes Geschenk, ihm den ganzen Tag über in solcher Intensität begegnen zu können.

Die abendliche Eucharistiefeier geht dann ohne Panne ab, sieht man davon ab, dass der Pater ein Lied auswählt, das niemand kennt, und unser Versuch, vom Blatt zu singen, kläglich scheitert. Die zweite und dritte Strophe sprechen wir dann nur noch.

Nach der Eucharistiefeier lese ich noch ein paar Seiten. Lektüremäßig bin ich ja nun recht gut versorgt. Neben dem geschenkten Gebetbuch hab ich noch ein Buch mit Texten von Madeleine Delbrêl und „Pure Präsenz“ von Richard Rohr dabei. Delbrêl fasziniert mich ja wegen ihre Bodenständigkeit und Alltagsspiritualität. Das ist wohl die einzige spirituelle Lebensform, die ich mir vorstellen könnte. Und an Richard Rohr mag ich seinen Zugang zur Mystik. Das Buch hab ich auch schon mal gelesen, wollte es aber schon länger gerne selbst besitzen und finde auch beim zweiten Lesen viel kluge und wahre Dinge darin.

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