Nachdem der gestrige Tag so voll mit Eindrücken war, hätte
ich nicht gedacht, dass ich doch so schnell wieder in die Stille zurückfinde.
Aber es ist ganz gut gelungen. Nach dem Frühstück mache ich meine übliche
Gartenrunde, setze mich auf meine Lieblingsbank ganz oben und sinniere über den
Willen Gottes. Ist es nicht manchmal der einfachere Weg, sich diesem Willen
ganz zu überlassen, statt etwas zu erhoffen und zu erbitten, was einem
dann möglicherweise verwehrt wird. Und
dann mit der Enttäuschung fertig zu werden, den Zweifeln, die hochkommen, ist
sicher manchmal schwerer, als sich gleich von vornherein zu ergeben. Das wird
sicher ein Thema für das Gespräch heute nachmittag sein.
Als es mir auf meiner Bank zu kalt wird, gehe ich in den
Meditationsraum, wo das Allerheiligste zur Anbetung den ganzen Tag ausgesetzt
ist, was ich sehr sehr schön finde. Dort nehme ich mir eine Stunde ganz bewusst
Zeit für Stille. Ein paar andere sind immer da, und es tut gut, so gemeinsam zu
schweigen und zu beten. Und ich staune selbst immer wieder, wie leicht es mir fällt, in diesem Stück Brot Christus zu erkennen.
Das Gespräch am Nachmittag ist ganz nett, aber auch nicht
übermäßig ergiebig. Ich nehme immerhin einen Text zur Reflexion mit. Eine weitere
Stunde Gebet vor dem Allerheiligsten hab ich mir vorgenommen, und sie tut mir
auch gut. Wir sind anfangs zu dritt, irgendwann bin ich ganz allein im Raum.
Ganz allein bei einer Anbetung war ich noch nie, und es geht mir doch sehr
nahe. Es ist ganz Schauen und sich anschauen lassen, bis ins Innerste hinein. Nicht, was da noch verborgen bliebe, aber auch nichts, was nicht da sein darf. Die Stunde ist längst rum, aber ich weiß auch, dass ich unmöglich gehen
und Christus allein lassen kann. Das bringe ich nicht übers Herz. Also warte
ich geduldig, bis wieder eine Schwester reinkommt. Wachablösung sozusagen.
Abends bei der Eucharistiefeier hören wir während der
Wandlung das Tantum Ergo aus der Hauskapelle. Ich muss innerlich lächeln.
Nachdem unser Pater den Gruppenexerzitien-Teilnehmern den Zutritt zu unserem
kleinen Meditationsraum untersagt hat, weil allgemein die Befürchtung bestand,
er könne dann demnächst total überfüllt sein, machen sie offenbar ihre
Gegenveranstaltung auf. Mir persönlich wäre es egal gewesen, weil ich nicht
glaube, dass die nun alle gleichzeitig zur Anbetung gestürmt wären. Aber eine
Schwester hatte schon moniert, dass IHR Platz morgens besetzt gewesen wäre. Ich
wusste nicht mal, dass es feste Plätze gibt... Wer weiß, wem ich den Platz
weggenommen habe.
Ganz rührend finde ich ja, dass der Pater fast jeden Abend
Karten vorliest, die ihm hierhin geschickt wurden mit guten Wünschen für die
Exerztitanten. Da fühlt man sich doch sehr gut begleitet.
Bei der Kommunion, die wir immer in beiderlei Gestalt
erhalten, verkleckere ich etwas vom Blut Christi auf meine Hose und bin
innerlich völlig erstarrt vor Entsetzen, wie mir sowas passieren kann.
Alles in allem merke ich, wie die Stille wieder mehr und
mehr Besitz von mir ergreift und empfinde das als sehr wohltuend.
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