Sonntag, 1. Juni 2014

Montag, 26.05.2014



Nachdem der gestrige Tag so voll mit Eindrücken war, hätte ich nicht gedacht, dass ich doch so schnell wieder in die Stille zurückfinde. Aber es ist ganz gut gelungen. Nach dem Frühstück mache ich meine übliche Gartenrunde, setze mich auf meine Lieblingsbank ganz oben und sinniere über den Willen Gottes. Ist es nicht manchmal der einfachere Weg, sich diesem Willen ganz zu überlassen, statt etwas zu erhoffen und zu erbitten, was einem dann  möglicherweise verwehrt wird. Und dann mit der Enttäuschung fertig zu werden, den Zweifeln, die hochkommen, ist sicher manchmal schwerer, als sich gleich von vornherein zu ergeben. Das wird sicher ein Thema für das Gespräch heute nachmittag sein.

Als es mir auf meiner Bank zu kalt wird, gehe ich in den Meditationsraum, wo das Allerheiligste zur Anbetung den ganzen Tag ausgesetzt ist, was ich sehr sehr schön finde. Dort nehme ich mir eine Stunde ganz bewusst Zeit für Stille. Ein paar andere sind immer da, und es tut gut, so gemeinsam zu schweigen und zu beten. Und ich staune selbst immer wieder, wie leicht es mir fällt, in diesem Stück Brot Christus zu erkennen.

Das Gespräch am Nachmittag ist ganz nett, aber auch nicht übermäßig ergiebig. Ich nehme immerhin einen Text zur Reflexion mit. Eine weitere Stunde Gebet vor dem Allerheiligsten hab ich mir vorgenommen, und sie tut mir auch gut. Wir sind anfangs zu dritt, irgendwann bin ich ganz allein im Raum. Ganz allein bei einer Anbetung war ich noch nie, und es geht mir doch sehr nahe. Es ist ganz Schauen und sich anschauen lassen, bis ins Innerste hinein. Nicht, was da noch verborgen bliebe, aber auch nichts, was nicht da sein darf. Die Stunde ist längst rum, aber ich weiß auch, dass ich unmöglich gehen und Christus allein lassen kann. Das bringe ich nicht übers Herz. Also warte ich geduldig, bis wieder eine Schwester reinkommt. Wachablösung sozusagen.

Abends bei der Eucharistiefeier hören wir während der Wandlung das Tantum Ergo aus der Hauskapelle. Ich muss innerlich lächeln. Nachdem unser Pater den Gruppenexerzitien-Teilnehmern den Zutritt zu unserem kleinen Meditationsraum untersagt hat, weil allgemein die Befürchtung bestand, er könne dann demnächst total überfüllt sein, machen sie offenbar ihre Gegenveranstaltung auf. Mir persönlich wäre es egal gewesen, weil ich nicht glaube, dass die nun alle gleichzeitig zur Anbetung gestürmt wären. Aber eine Schwester hatte schon moniert, dass IHR Platz morgens besetzt gewesen wäre. Ich wusste nicht mal, dass es feste Plätze gibt... Wer weiß, wem ich den Platz weggenommen habe.

Ganz rührend finde ich ja, dass der Pater fast jeden Abend Karten vorliest, die ihm hierhin geschickt wurden mit guten Wünschen für die Exerztitanten. Da fühlt man sich doch sehr gut begleitet.

Bei der Kommunion, die wir immer in beiderlei Gestalt erhalten, verkleckere ich etwas vom Blut Christi auf meine Hose und bin innerlich völlig erstarrt vor Entsetzen, wie mir sowas passieren kann.

Alles in allem merke ich, wie die Stille wieder mehr und mehr Besitz von mir ergreift und empfinde das als sehr wohltuend.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen