Endlich wieder Sonnenschein, wenn es auch im Wind etwas
frisch ist. Morgens beim Frühstück amüsiert sich der Pater über meine gesunde Ernährung:
Müsli mit frischem Obst, Milch und Orangensaft. Wenn, ja wenn da nicht das
Knäcke mit Nutella wäre, das dann auch noch sein muss... Aber ein bisschen
Sünde muss ja auch erlaubt sein, zumal ich finde, dass das Essen hier generell
deutlich besser geworden ist. Ich kann mich noch an Jahre erinnern, wo ich
unter dem deftigen, fetten Essen wirklich geächzt habe. Und ich bin ja an sich
ein sehr unkomplizierter Esser, der nimmt, was es gibt. Aber jeden Tag Fleisch,
Gebratenes, Frittiertes war selbst mir irgendwann zu viel. Diesmal gib es
insgesamt deutlich leichteres Essen, was mich sehr freut, auch wenn ich hier
sicher nix abnehme.
Morgens spüre ich auf meiner Lieblingsbank etwas verdächtig
Warmes am Bauch – Stomaalarm. Und ich verbrauche gleich zwei Platten, bis alles
wieder dicht ist. Das heißt, ich habe für den Rest der Zeit nur noch eine
übrig, was im Normalfall reichen sollte. Aber was ist schon normal? Ich nehme
das jetzt mal als Übung in Vertrauen. Wird schon klappen bis Sonntag.
Anschließend geh ich zur Anbetung, wo ich erst ganz allein
bin. Diese Momente sind mir ja immer besonders kostbar. Und ich finde auch sehr
gut ins Gebet, so dass mir die Stunde nicht lang wird. Den Rest des Vormittags
verbringe ich im Zimmer und im Garten, tief in Gedanken. So langsam ordnet sich
alles, was ich hier erfahren habe zu einem Gesamtbild, das mir hoffentlich
hilft, meinen Weg weiter zu gehen, wie ich es mir wünsche.
Nach dem Essen setze ich mich auf den Balkon und halte meine
Beine in die Sonne. Bin nur minimal aufgeregt, aber doch ein wenig. Find ich
aber auch okay, Beichte soll ja keine Larifari-Geschichte werden. Es geht dann
erwartungsgemäß leicht und gut. Das Handauflegen zur Vergebung berührt mich
sehr, die anschließende Umarmung ist mir etwas zu viel. So gut kennen wir uns
einfach noch nicht, dass ich mich darauf so gut einlassen könnte.
Das anschließende Gespräch gibt mir noch einen guten Impuls
mit. So langsam hab ich das Gefühl, dass ich mit dem selbstgewählten Thema
zurande komme. Es war gut, durchaus auch herausfordernd, und ich nehme einiges
mit für mich.
Ich denke hier viel über das Thema Hingabe nach, versuche mich dem anzunähern. Hingabe, wie sie in der Eucharistie spürbar wird (das gebrochene Brot, wie zerbrechlich sich Christus für uns macht, wie sehr er sich uns ausliefert). Das geht mir tief nah und erschließt mir die Eucharistie noch tiefer. Das andere Thema, mit dem ich mich nach wie vor schwer tue, ist das Kreuz. Die sichtbare, körperliche Hingabe. Das ist mir irgendwie zu konkret, zu schmerzhaft, da ziehe ich mich innerlich raus. Aber ich weiß, dass es wichtig ist, da hinzukommen.
Ich denke hier viel über das Thema Hingabe nach, versuche mich dem anzunähern. Hingabe, wie sie in der Eucharistie spürbar wird (das gebrochene Brot, wie zerbrechlich sich Christus für uns macht, wie sehr er sich uns ausliefert). Das geht mir tief nah und erschließt mir die Eucharistie noch tiefer. Das andere Thema, mit dem ich mich nach wie vor schwer tue, ist das Kreuz. Die sichtbare, körperliche Hingabe. Das ist mir irgendwie zu konkret, zu schmerzhaft, da ziehe ich mich innerlich raus. Aber ich weiß, dass es wichtig ist, da hinzukommen.
Die nachmittägliche Anbetungstunde tut ebenfalls gut. Es
sind nicht viele Teilnehmerinnen da, anscheinend lockt das schöne Wetter doch
nach draußen. Aber dahin gehe ich anschließend ja auch noch, lege mich auf eine
Sonnenbank im Garten, lasse die Wolken an mir vorbeiziehen und genieße das
schöne Nach-Beicht-Gefühl.
Abends im Treppenhaus auf dem Weg zur Eucharistiefeier
werden wir von einigen Teilnehmern der anderen Gruppe angesprochen. Ob wir
Einzelexerzitien machen? Ja. Wie lange denn? Neun Tage. So lange????? Und alles
im Schweigen? Äh, ja. Also das würden
sie ja bewundern. Wie lustig ist das denn, von Teilnehmern einer siebentägigen
Exerzitiengruppe für neun Tage Schweigen bewundert zu werden? Ich meine, die
sollen ja nun auch schweigen. Eigentlich. Tun sie aber eher nicht so oft, wie
mir scheint. Der Pater hat nachmittags auch schon abgelästert, dass die ja die
ganze Zeit quatschen würden. Das hab ich auch noch nie in einer Exerzitiengruppe
erlebt und würde mich auch sehr stören. Das Schweigen ist doch der Hauptgrund,
warum man das überhaupt macht. Aber die scheinen das eher für eine
unverbindliche Handlungsempfehlung zu halten und staunen, dass wir das wirklich
ernst nehmen.
In der Eingangshalle lag auch das Tagesprogramm der anderen
Gruppe aus. Ich fand das eigentlich ganz normal und wundere mich, worüber die
sich gestern so aufgeregt haben. Aber in der Gruppe scheinen auch einige Laien
zu sein. Und ich finde ja mittlerweile gerade Exerzitien mit Ordensleuten
angenehm, weil die das so unaufgeregt und selbstverständlich tun, ohne sich
selbst toll zu finden, ohne alles in Frage zu stellen.
Nun ja, morgen sind die schon fertig mit allem. Dann haben
wir noch einen Tag für uns, wobei wohl noch ein Exerzitienkurs hier sein muss
laut Programm.
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