Sonntag, 1. Juni 2014

Mittwoch, 28.05.2014



Heute regnet es wenigstens nicht mehr, auch wenn es noch eher ungemütlich ist. Die Sonne soll wohl erst gegen Ende der Woche zurückkommen. Macht aber nichts. Nach dem Frühstück gehe ich wieder mal zum Kreuzweg hinauf, diesmal mit der konkreten Aufgabe, ihn mal ganz bewusst zum Thema Hingabe zu meditieren. Und ich staune, wie viel mir doch dazu noch auffällt, wo ich dachte, die Bilder doch schon so in- und auswendig zu kennen. Mir fällt vor allem auf, wie sich die Szenen abwechseln, wo Jesus stark und gefasst wirkt und anderen noch Trost zuspricht und die Szenen, wo er schwach, erschöpft und hilfebedürftig ist. Und mir scheint, dass zur Hingabe durchaus auch die Fähigkeit gehört, die eigene Bedürftigkeit zu akzeptieren. Jesus lässt sich ja helfen, ist nicht zu stolz, sein Unvermögen einzugestehen. Der Gedanke berührt mich sehr und ich nehme ihn mit in die Anbetung. Diesmal bleibe ich tatsächlich zwei Stunden, aber ich muss aufpassen, dass ich keinen Leistungssport daraus mache, dass es am Ende mehr um mich als um Ihn geht dabei. Wenn das Wetter wieder besser wird, werde ich mir auch ganz bewusst wieder Zeit für den Garten und die Gartenbank nehmen. Nicht von Tag zu Tag die Anbetungszeiten zu verlängern, um mir zu beweisen, wie toll ich bin.

Mittags irritiert mich, dass mein Platz nicht eingedeckt ist. Als ich in der Küche nachfrage, erfahre ich, dass sich wohl jemand vom Essen abgemeldet hat. Nun, ich war es jedenfalls nicht, aber irgendwann, als alle da sind, wird klar, wer es ist, und ich kann mir das Geschirr von diesem Platz nehmen.

Das nachmittägliche Gespräch ist wie gehabt ganz angenehm, aber mir fehlt ein wenig die Resonanz, die Herausforderung. Auf der anderen Seite sind mir schon ein paar Dinge klar geworden, auf die ich ganz allein vielleicht nicht gekommen wäre. Ich nehme ein paar neue Impulse mit und nehme mir noch mal Zeit für eineinviertel Stunde Anbetung. Zwischendurch bin ich auch noch mal ganz allein dort und genieße diese Zeit ganz besonders. Ich merke, wie der Vers aus der Komplet „In Deine Hände leg ich voll Vertrauen meinen Geist“ langsam zum Mantra wird und mich innerlich ganz ruhig werden lässt.

Abends versuche ich die Eucharistie noch mal ganz tief auf mich einwirken zu lassen. In so einem kleinen Kreis hat diese Feier was sehr Urchristliches, und man kommt näher an das Ursprungsgeschehen heran. Was ich nach wie vor nicht will, ist der Einladung nachkommen, nach dem Evangelium was zu sagen. Über die Lesung, über das Evangelium, über den eigenen Weg in dieser Woche oder sonst was, was man Gott sagen möchte. Ich mag da nichts mitteilen, und wenn ich ehrlich bin, mag ich auch von den anderen nichts hören. Es ist mir teils zu banal und teils zu intim. Ich teile lieber mit meinem Tagebuch und darüber mit den Menschen, mit denen ICH teilen möchte,  nicht mit denen, mit denen mich das Schicksal zufällig zusammengewürfelt hat, auch wenn wir denselben Weg gehen in dieser Woche.

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