Heute regnet es wenigstens nicht mehr, auch wenn es noch
eher ungemütlich ist. Die Sonne soll wohl erst gegen Ende der Woche
zurückkommen. Macht aber nichts. Nach dem Frühstück gehe ich wieder mal zum
Kreuzweg hinauf, diesmal mit der konkreten Aufgabe, ihn mal ganz bewusst zum
Thema Hingabe zu meditieren. Und ich staune, wie viel mir doch dazu noch
auffällt, wo ich dachte, die Bilder doch schon so in- und auswendig zu kennen.
Mir fällt vor allem auf, wie sich die Szenen abwechseln, wo Jesus stark und
gefasst wirkt und anderen noch Trost zuspricht und die Szenen, wo er schwach,
erschöpft und hilfebedürftig ist. Und mir scheint, dass zur Hingabe durchaus
auch die Fähigkeit gehört, die eigene Bedürftigkeit zu akzeptieren. Jesus lässt
sich ja helfen, ist nicht zu stolz, sein Unvermögen einzugestehen. Der Gedanke
berührt mich sehr und ich nehme ihn mit in die Anbetung. Diesmal bleibe ich
tatsächlich zwei Stunden, aber ich muss aufpassen, dass ich keinen
Leistungssport daraus mache, dass es am Ende mehr um mich als um Ihn geht
dabei. Wenn das Wetter wieder besser wird, werde ich mir auch ganz bewusst
wieder Zeit für den Garten und die Gartenbank nehmen. Nicht von Tag zu Tag die
Anbetungszeiten zu verlängern, um mir zu beweisen, wie toll ich bin.
Mittags irritiert mich, dass mein Platz nicht eingedeckt
ist. Als ich in der Küche nachfrage, erfahre ich, dass sich wohl jemand vom
Essen abgemeldet hat. Nun, ich war es jedenfalls nicht, aber irgendwann, als
alle da sind, wird klar, wer es ist, und ich kann mir das Geschirr von diesem
Platz nehmen.
Das nachmittägliche Gespräch ist wie gehabt ganz angenehm,
aber mir fehlt ein wenig die Resonanz, die Herausforderung. Auf der anderen Seite
sind mir schon ein paar Dinge klar geworden, auf die ich ganz allein vielleicht
nicht gekommen wäre. Ich nehme ein paar neue Impulse mit und nehme mir noch mal
Zeit für eineinviertel Stunde Anbetung. Zwischendurch bin ich auch noch mal
ganz allein dort und genieße diese Zeit ganz besonders. Ich merke, wie der Vers
aus der Komplet „In Deine Hände leg ich voll Vertrauen meinen Geist“ langsam
zum Mantra wird und mich innerlich ganz ruhig werden lässt.
Abends versuche ich die Eucharistie noch mal ganz tief auf
mich einwirken zu lassen. In so einem kleinen Kreis hat diese Feier was sehr
Urchristliches, und man kommt näher an das Ursprungsgeschehen heran. Was ich
nach wie vor nicht will, ist der Einladung nachkommen, nach dem Evangelium was
zu sagen. Über die Lesung, über das Evangelium, über den eigenen Weg in dieser
Woche oder sonst was, was man Gott sagen möchte. Ich mag da nichts mitteilen,
und wenn ich ehrlich bin, mag ich auch von den anderen nichts hören. Es ist mir
teils zu banal und teils zu intim. Ich teile lieber mit meinem Tagebuch und
darüber mit den Menschen, mit denen ICH teilen möchte, nicht mit denen, mit denen mich das Schicksal
zufällig zusammengewürfelt hat, auch wenn wir denselben Weg gehen in dieser
Woche.
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