Zum vierten Mal bin ich jetzt hier, und langsam wird mir der
Ort zur, mal nachzählen..., vierten Heimat. Am Empfang ist diesmal niemand, und
ich muss Schwester Hildegardis über die Pforte herbeirufen lassen. Sie freut
sich auch sehr, mich wieder zu sehen – diesmal wieder mit Haaren. Wie schon im
letzten Jahr hab ich wieder ein Zimmer mit Balkon, das zwar, weil in Richtung
Straße gelegen, etwas lauter, aber dennoch viel schöner ist, als die Zimmer auf
der anderen Seite.
Zum vierten Mal also, und in was für unterschiedlichen
Verfassungen war ich schon hier. So gut wie diesmal ging es mir wohl nur beim
allerersten Mal. Und ich merke, wie dieser Ort gleich schon wieder anfängt,
seine Wirkung zu entfalten. Ich drehe eine Runde durch den Garten, besuche mein
Lieblingsbild auf dem Kreuzweg und bewundere den Sinnesgarten, der nun in der
Mitte des Kreuzwegs, wo vorher nur Gestrüpp war, angelegt worden ist.
Diesmal werden es ja Einzelexerzitien. Ich bin gespannt.
Aber ich glaube, es war die richtige Entscheidung. Ich habe so manches zu
erwägen, was einen guten Gesprächspartner wünschenswert erscheinen lässt. Vor
allem möchte ich dem Tod wieder mehr Raum in meinem Leben geben, so seltsam das
auch klingt. Als ich im letzten Jahr hier war, war mir der Tod recht nah und
schien fast vertraut. Jetzt arbeite ich seit einem dreiviertel Jahr wieder,
lebe mein Leben, in dem die Todesahnung schon tiefe Spuren hinterlassen hat,
und ich merke, dass diese Erfahrung ein großes Geschenk war, das ich weiter fruchtbar
für mich werden lassen will. Ich weiß, dass jeder Monat Lebenszeit ein Geschenk
ist, aber ich spüre es kaum noch. Dahin möchte ich wieder kommen.
Aber wer weiß, vielleicht kommen auch noch ganz andere Dinge
zu Tage.
Jetzt warte ich schon sehnsüchtig auf das Abendessen, denn
da ich am Sonntag wunderschön in meinem Kleid aussehen will, hab ich heute noch
nicht viel gegessen. Eine Stunde noch …
So, nun bin ich ein wenig schlauer. Wir sind insgesamt acht
Teilnehmerinnen, darunter sieben Ordensschwestern (eine davon exklaustriert),
eine Gemeindereferentin und ein bunter Vogel mit pinken Turnschuhen. Aber ich
bin ja es nicht anders gewöhnt. Vom Pater, der die Exerzitien begleitet, hab
ich noch keinen rechten Eindruck, da warte ich mal auf das erste Gespräch
morgen.
Ich war allerdings etwas entgeistert, als ich beim
Abendessen sah, dass er nicht nur die ohnehin schon recht salzige Suppe noch
kräftig mit Maggi nachwürzte, sondern das Zeug auch großzügig über den Salat
goss – örks. Und einige Schwestern taten es ihm gleich mal nach.
Bei der abendlichen Vorstellungsrunde will der Pater wissen,
bei welcher Versicherung ich denn arbeite, und als ich es verrate, heißt es
gleich, war da nicht mal was mit Osteuropa und Prostituierten und so... In
diesem Moment verfluche ich meinen Arbeitgeber mal wieder und staune, wie gut
die Ordensleute dann doch informiert sind.
Die Anbetung am Abend musste leider ausfallen, weil der
Pater den Schlüssel für den Tabernakel nicht fand. So bleibt der arme Jesus
also eingesperrt und es gab nur die Komplet, was mir aber auch recht war. Und
wir nehmen erfreulicherweise nicht die Psalmen der Sonntagskomplet, die ich eh
auswendig kann, sondern Psalm 91, einen meiner Lieblingspsalmen. Ich muss daran
denken, wie ich vor vier Jahren zum ersten Mal hier war und kaum wusste, was
die Komplet überhaupt ist. Wir sind diesmal
auch nicht in der Hauskapelle, sondern im sehr viel kleineren
Meditationsraum, was mir aber gut gefällt. Auch das Essen nehmen wir nicht im
großen Speisesaal ein, sondern in einem kleinen Nebenraum. Diese intimere
Atmosphäre gefällt mir eigentlich sehr gut. Und da es nur ein Gespräch am Tag
gibt (meins ist immer um 15 Uhr), gibt es mehr freie Zeit als bei den
Gruppenexerzitien. Auch das, glaube ich, wird mir gut tun.
Ab morgen dann Stille, bzw. für mich erst mal nur morgen und
dann ab Sonntag nachmittag wieder. Etwas
blöd, aber nun mal leider nicht zu ändern.
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