Sonntag, 1. Juni 2014

Donnerstag, 29.05.2014 (Christi Himmelfahrt)



Dass Feiertag ist, merkt man hier kaum. Doch, es ist weniger Verkehr, die Glocken läuten häufiger, und es gibt mittags Eis als Nachtisch.

Ansonsten läuft der Tag im normalen Rhythmus ab. Ich nehme mir morgens nach dem Frühstück eine kurze, aber innige Vietelstunde  zum Gebet auf der Gartenbank, bevor ich mich zur Anbetung begebe. Beten vor dem Beten sozusagen. Aber was wird hier nicht zu Gebet. Bei der Anbetung merke ich, dass ich tatsächlich angekommen bin, dass die Stille in mir angekommen ist, dass ich so offen und durchlässig werde, wie ich es mir jedesmal wünsche und jedesmal so hart erarbeiten muss. Erst wenn ich denke, das wird nichts mehr, wird mir dieses Erlebnis wieder geschenkt. Und dann weiß ich wieder, warum ich mir diese Woche jedes Jahr nehme.

Nach einer Stunde überkommt mich heftige Müdigkeit. Ich habe zwar gut geschlafen, aber nur bis fünf Uhr. Und da ich beschlossen habe, Gebet nicht als Leistungssport zu betreiben, sondern mich einfach treiben zu lassen zu dem, was mir gut tut, beende ich die Anbetung und lege mich noch mal ins Bett, wo ich tatsächlich für eine wunderbare halbe Stunde einschlafe, in dem Gefühl, dass Gott auch in meinem Zimmer präsent ist.

Danach tue ich das, was ich schon länger vorhabe. Ich laufe durch den Garten und fotografiere Blumen. Leider hab ich die große Kamera zu Hause vergessen, aber das Handy macht auch ganz anständige Bilder. Und Fotografieren ist so eine tolle Schule für das Sehen. Ich nehme die Schönheit der Blumen viel intensiver wahr, wenn ich mich fotografisch mit ihnen beschäftige.



 Anschließend lasse ich mich auf einer Gartenbank nieder, schaue die Fotos und bin so ganz und gar da und im Augenblick und durchdrungen von Gottes Gegenwart, dass ich weiß, all die Mühen der letzten Tage, die z.T. zähen Anbetungsstunden haben sich gelohnt schon für diesen einen intensiven Moment. Stille und Gebet haben zusammen eine so ungeheure heilsame Kraft, dass ich geneigt bin zu glauben, sie können tatsächlich alles wandeln.

Mittags stelle ich erfreut fest, dass das vegetarische Essen hier mittlerweile doch recht genießbar ist. Im ersten Jahr bin ich damit einige Male so bös reingefallen, dass ich es danach immer eher gemieden haben. Aber die gefüllte Zucchini heute war recht lecker, und dazu Spargel und Kartoffelpüree, das war ein feines Essen. Und danach eben Eis, weil Feiertag.

Das heutige Gespräch fand ich deutlich fruchtbarer als die letzten Male. Ich brauch doch etwas mehr als einen groben Hinweis, was ich mal näher betrachten soll. Und diesmal nehme ich einige gute Impulse zu Kreuz und Eucharistie mit, sowie einige Hinweise zur morgigen Beichte.

Dafür ist die nächmittägliche Anbetungsstunde zäh und eine Übung in Treue und Beständigkeit, wenn man sich eineinviertel Stunde ununterbrochen fragt, was mach ich eigentlich hier. Sitzen und still sein – das muss reichen. Ich weiß ja, dass auch in diesen scheinbar so vergeudeten Stunden etwas passiert. Es zeigt sich dann eben später.

Abends, als ich zur Eucharistiefeier gehe, bekomme ich mit, wie sich ein paar Teilnehmer der anderen Gruppe im Treppenhaus unterhalten (!). Anscheinend läuft es da nicht so rund, es klingt nach Krisengespräch. Darauf hätte ich ja nun so gar keine Lust. Ich bin ja bereit, mich mit fast jeder Form von Exerzitien abzufinden, so lange ich genug Zeit für Stille und Gebet habe. Alles andere nehme ich, wie es kommt. Auf keinen Fall würde ich meine Energie darauf verschwenden wollen, Abläufe oder Strukturen zu ändern. Ich würde das dann eher als Übung in Anpassungsbereitschaft und Duldsamkeit sehen.

Die Eucharistiefeier gibt mir heute sehr viel. Die nachmittäglichen Gedanken dazu wirken noch nach.

Und nachdem ich dort im Meditationsraum eine Stunde bei sperrangelweit offenem Fenster gefroren habe (ich bin ja weiß Gott eine Frischluftfanatikerin, aber das war dann selbst mir ein Zuviel an frischer und vor allem kalter Luft), werde ich mir jetzt eine feine Wärmflasche machen. Wo ich das ganze Equipment dafür wie ein echtes Weichei schon mitgeschleppt habe, kann ich es auch wenigstens einmal nutzen. Und dann ab ins Bett mit Buch und guten Gedanken – und hoffentlich gutem Schlaf.

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