Heute feiern wir schon um viertel nach sieben unsere
Abschlussmesse. Als ich um kurz nach sieben in den Raum komme, sitzen schon
alle bei der Anbetung. Aber ich merke, mir reicht es jetzt. Genug gebetet,
genug still gewesen Ich halte es da ja mit Teresa von Ávila: Wenn Fasten, dann
Fasten, wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn. Und jetzt ist für mich die Fastenzeit
vorbei. Ich setze mich noch kurz dazu, bin aber froh, als es vorbei ist und der
Raum für die Messe hergerichtet wird.
In der Messe werden wir aufgefordert, nach dem Evangelium
einen Satz aus der Heiligen Schrift zu zitieren, der uns in der Woche oder auch
sonst besonders berührt oder beschäftigt hat. Nun gut, das mache ich noch mal
mit und nenne sogar gleich zwei.
Zur Kommunion reichen wir einander ja immer den Teller mit den
Hostien weiter und kommunizieren dann anschließend alle gemeinsam. Diesmal
werden wir noch mal besonders aufgefordert, Christus, und seine
Zerbrechlichkeit in Gestalt der Hostie zu betrachten. Das tue ich zwar schon seit
Tagen recht intensiv, aber diesmal geht es mir noch mal besonders nah.
Zum Frühstück ist das Schweigen dann tatsächlich aufgehoben,
und ich erfahre, dass die patente und bodenständige Schwester Manuela ein
großer Fußballfan ist und auch schon öfter bei Borussia Mönchengladbach im
Stadion war. Und sie ärgert sich immer, wenn sie im Kloster kein Fußball gucken
kann, weil die verfügbaren Geräte von Schwestern mit anderen Fernsehwünschen
okkupier sind. Wir fachsimpeln auch ein wenig über die Fußball-WM, und ich hab
eine stille Freude daran. Genau wegen solche Dinge finde ich es schön, wenn es
einen gemeinsamen Abend gibt, der ja auch dem Kennenlernen untereinander dient.
Die Frauen kommen z.T. schon über zwanzig Jahr zu Pater Herbert zu Exerzitien
und scheinen einander doch recht fremd zu sein. Das wundert mich jetzt auch
nicht mehr.
Schwester Hildegardis kommt noch in den Frühstücksraum, um
sich zu verabschieden, und verleiht ihrer Hoffnung Ausdruck, dass ich bald
wieder komme. Ich bin ja doch ein bisschen ihr Hätschelkind.
Dann ist es vorbei. Kurzer Abschied und ab nach Hause, wo
ich in Rekordzeit bin.Diesmal fällt mir die Rückkehr in die Alltagswelt trotz der langen Zeit der Stille nicht so schwer wie sonst. Es waren tiefe Momente, die ich dort erlebt habe, aber es hat auch etwas gefehlt, das ich nur schwer benennen kann. Vielleicht lag es daran, dass ich die anderen Teilnehmerinnen diesmal so gar nicht beührt haben. Das Schweigen alleine reicht nicht, es muss eine Art innere Verbindung entstehen, damit es richtig tief wird. Die tiefsten Momente sind doch immer die, in denen ich in anderen dieselbe Christusliebe erkenen, die ich auch in mir spüre, wenn eine wortlose Verbundenheit entsteht, eine innere Gemeinschaft. Das hat mir diesmal gefehlt. Aber dennoch waren es wertvolle Tage, und die dort bedachten Themen werden mich noch weiter begleiten.
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